Der besondere Traum
Eines Nachts träumte Abdul, ein junger Mann in der ägyptischen Stadt Alexandria, der vom Islam enttäuscht und auf der Suche war, von einer Begegnung mit einem strahlenden, weiblichen und dunkelhäutigen Engel, der sich ihm als Elena vorstellte.
Elena sah aus wie 30, war aber in Wirklichkeit tausende von Jahren alt. In dieser ganzen Zeit hatte sie unzähligen Menschen in Not geholfen. Ein paar dieser Geschichten gab sie nun an Abdul weiter.
Als erstes erzählte sie von der jungen römischen Christin Rebecca, die im ersten Jahrhundert ca. 20 Jahre nach Jesu Kreuzigung lebte. Ihr Vater, ein Zeitzeuge, hatte ihr immer wieder vom Tod Jesu und seiner Auferstehung berichtet.
Rebecca liebte Musik über alles und von frühester Kindheit an; sie sang und komponierte viele Lieder über Gott und Jesus und wollte für ihren Vater zu dessen rundem Geburtstag ein besonderes Lied erfinden und ihm widmen. Doch vor kurzem war Nero Kaiser geworden und seine erbarmungslose Verfolgung der Christen jagte ihr einen solchen Schrecken ein, dass ihr, was das musikalische betraf, überhaupt nichts mehr einfiel und sie nur noch eine große Leere in sich spürte.
Eines Tages half sie gerade ihrer Mutter bei der Hausarbeit und sie summten zusammen und ein wenig traurig ein Lied, als sie hörten, wie jemand drittes miteinstimmte und mitsang. Überrascht drehten sie sich um und entdeckten Elena, die sozusagen aus dem Nichts aufgetaucht war und sie freundlich anlächelte. Sie sagte:“ Habt keine Angst. Ich bin von Gott gesandt, um dir, Rebecca, zu helfen.“ Dann beschenkte sie die junge Christin, indem sie ihr ein neues, wunderschönes und himmlisches Lied vorsang und es so lange wiederholte, bis Rebecca es gelernt hatte und alleine nachsingen konnte. Elenas strahlende Anwesenheit tat ihr so gut, dass ihre Furcht verschwand und stattdessen ein tiefer Frieden einzog. Danach kehrte der Engel in den Himmel zurück.
Das Mädchen trug das neue Lied am Geburtstag ihres Vaters vor allen Gästen vor und allen fiel auf, dass es ein einzigartiges Lied war. Rebecca aber vergaß ihr ganzes Leben lang nicht diesen besonderen Tag, an dem Gott, der das Herz eines jeden Menschen kennt, auf so wunderbare Weise eingegriffen und ihr Hilfe direkt aus dem Himmel geschickt hatte.
Ungefähr 1000 Jahre später, am Ende des frühen Mittelalters, war es eine andere junge Frau namens Elisabeth in Frankreich, die Elenas Hilfe brauchte. Elisabeth hatte nach langem inneren Ringen sich entschieden, ins Kloster zu gehen. So trat sie einem Zisterzienserorden im Burgund bei. Da sie relativ schüchtern und zurückhaltend war, fiel es ihr nicht leicht, sich einzuleben. Es ging so weit, dass sie es ernsthaft erwog, das Kloster wieder zu verlassen. Eines Abends betete sie gerade inbrünstig und plötzlich war sie nicht mehr allein in ihrer kargen Zelle, sondern Elena erschien ihr und ermutigte sie eine ganze Stunde lang. Sie redete ihr gut zu, dass Elisabeths Platz wirklich hier wäre und dass es nicht mehr lange dauern würde, bis sie sich hier angekommen fühlte.
Zwei Wochen lang besuchte Elena die junge Nonne immer abends für eine halbe Stunde, um sie zu ermuntern.
Danach verabschiedete sich der Engel und Elisabeth blieb ihrem Orden 50 Jahre lang treu, bis Gott sie zu sich in den Himmel holte.
Nun ging es weiter mit Benjamin, einem 10-jährigen Sklavenjungen, der auf einer Baumwollplantage in Alabama im 17. Jahrhundert arbeitete. Er hatte nur noch einen Onkel, bei dem er wohnen konnte.
Eines Tages, als es besonders heiß war, wurde der etwas verträumte Junge vom Plantagenbesitzer mit einer dicken Rute verprügelt, da er ihm zu langsam arbeitete. Und auf einmal kam Elena zu Hilfe. Durch ihr plötzliches Auftauchen erschraken sowohl der Sklavenhalter als auch das Kind.
Mit autoritärer Stimme befahl Elena dem Besitzer, Ben nie wieder zu schlagen und sie zerbrach die Rute mit einer Hand und mit übernatürlicher Kraft. Dann sagte sie noch zu Ben, dass Jesus immer bei ihm und an seiner Seite wäre, wenn auch unsichtbar.
Schließlich verschwand der Engel genauso schnell wie er gekommen war.
Zurück blieben ein sprachloser, erschrockener Mann und ein dankbarer kleiner Junge, der das Geschehene für immer in seinem Herzen bewahrte.
In der letzten Geschichte handelt es sich um einen alten jüdischen Mann mit Namen Jakob, der an Jesus glaubte, und im dritten Reich lebte. Er wohnte in einem Dorf in Norddeutschland.
Jakob war sehr krank und sollte ins einzige Krankenhaus, das es in der Umgebung gab.
Es war bekannt, dass viele Mitarbeiter in diesem Krankenhaus in der NSDAP waren.
Deshalb hatte Jakob große Angst davor, dass man ihn dort schlecht behandeln würde, und ihn plagte auch eine starke Furcht vor dem Tod. Schließlich wurde ein Krankenhausaufenthalt unvermeidbar.
Entgegen seine Befürchtungen pflegte ihn eine dunkelhäutige, äußerst freundliche Krankenschwester namens Elena. Sie war sehr liebenswürdig und umsorgte ihn mehrere Wochen lang.
Auch sprach sie mit ihm über den Himmel und als es für Jakob ans Sterben ging, erfüllte ihn statt Angst eine große Vorfreude. Er dankte Gott dafür, dass er ihn am Ende seines Lebens so reich beschenkte mit dieser außergewöhnlichen Pflegerin.
Und so begleitete Elena Jakob beim Übergang von diesem kurzen Leben auf der Erde ins nächste ewige Leben.
Abdul, dessen Name übrigens Diener oder Knecht Gottes bedeutet, erwachte am nächsten Morgen und ihm wurde bewusst, noch nie so klar und gleichzeitig intensiv geträumt zu haben. Er spürte, dass durch diesen besonderen Traum seine Sehnsucht nach Gott noch mehr gewachsen war.
Am Nachmittag kam er an einer christlichen Buchhandlung in seiner Stadt vorbei, die ihm im Rahmen eines Tags der offenen Tür eine Bibel schenkte; zusammen mit einem Lesezeichen.
Auf dem Lesezeichen war ein Engel abgebildet, der genauso aussah wie Elena.